Die Brennnessel - ebenso gefürchtet wie gelieb...
Ort: Ingelheimer Marktplatz

Die Brennnessel – Ebenso gefürchtet wie geliebt:

Wenn wir bei unseren Kräuterwanderungen in Siefersheim die große Brennnessel (Urtica dioica) vorstellen, dann geht in der Regel ein wissendes Raunen durch die Menge. Auf die Frage:
„Wer hat noch keine Bekanntschaft mit der Pflanze gemacht?“, hebt keiner der Teilnehmer die Hand. Erwartungsgemäß. Die meisten Gäste gehen einen Schritt zurück. Ein wenig furchtsam und mit einem gewissen ängstlichen Blick. Der Name der Brennnessel ist Programm. Die Pflanze brennt bei Berührung, ähnlich wie beim Berühren einer offenen Flamme und hinterlässt. wie eine Brandwunde, Hautrötungen und Bläschen (Quaddeln). Es sind die feinen Brennhaare, die bei der zartesten Berührung in die Haut eindringen, abbrechen und einen giftigen „Cocktail“ unter die Haut injizieren. Die Fülle der aktiven „Kanülen“ entlässt etliche Substanzen, unter anderem Histamin und Ameisensäure, die eine sofortige Reaktion verursachen. Mit dieser Wirkung verschafft sich das Gewächs einen ungeheuren Respekt. Bei dem Menschen wie auch bei tierischen Fressfeinden. Meine Großmutter, welche als Gemeindeschwester vor Ihre Heirat tätig war, beruhigte mich nach meinem rückwärtigen Sturz mit dem Dreirad, in ein ganzes Brennnesselfeld. Dieser massive Erstkontakt löste Panik und Schrecken bei mir aus. Oma wusste Abhilfe. Mit lauwarmem Essigwasser wurden die Quaddeln und der Juckreiz bekämpft. Während dem sanften Abreiben mit der sauren Flüssigkeit wurde mir damals die heilsame Wirkung der Pflanze näher gebracht. So erfuhr ich von kranken Menschen, die sich freiwillig in die Brennnesseln legen würden, um von Rheuma und Gicht geheilt zu werden. Unvorstellbar. dass es etwas so Schlimmes geben sollte, dass diese Indikation vorsah. Die vergangenen Jahre haben das Wissen meiner heilkundigen Großmutter bestätigt. Schmerzen können durch das Peitschen mit der Pflanze vertrieben und kuriert werden. Nach einem unglücklichen Sturz war meine Hüfte derart geprellt, dass ich über Monate nicht ohne Schmerzen sitzen, stehen, oder liegen konnte. Aus der Erfahrung heraus, dass sich genau die Pflanzen zu uns gesellen, die wir brauchen, schaute ich mich in unserem Weingut genauer um und siehe da: Ich war von Brennnesseln umgeben. Ich befolgte den von mir gefürchteten Ratschlag meiner Oma und kontaktierte meine Hüfte mit der frischen Brennnessel. Die Wirkung war enorm. Statt der Brennwirkung verspürte ich lediglich eine heilende Wohltat.

Die Brennnessel ist zudem ein kulinarischer Glücksfall in der Küche, denn sie kann als Power-Spinat genutzt werden. Geerntet werden nur die jungen hellgrünen Pflanzenteile. Die Zubereitung deckt sich mit der des frischen Spinats. Das Blanchieren der frischen Pflanze neutralisiert die Brennhaare und macht die Pflanze bekömmlich.

Unser abgebildetes Lieblingsrezept ist ein kleiner Anreiz sich mit dieser außerordentlichen Pflanze zu beschäftigen, über die ich und meine beiden Kräuterkolleginnen, Karin und Martina, mindestens eine Woche begeistert berichten könnten. Sie ist ein Allrounder. Heil-Tee, Faserpflanze, Färbe-, Dünge- und Pflanzenschutzmittel um nur einige Talente zu nennen.

Hexentipp: Besonders wertvoll ist die Brennnessel jetzt im Frühjahr! Eine Teekur aus frischen Brennnesseln wirkt entschlackend, entwässernd und blutreinigend. Sie weckt die Lebensgeister und vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit im Nu!

Bei unseren offiziellen Kräuterwanderungen, an jedem ersten Sonntag im Monat, stellen wir unsere grünen Freunde am Wegesrand ausführlich vor. Auf Wunsch führen wir auch private Gruppen durch die Siefersheimer Kräuterwelt.

Offizielle Kräuterführungen im April:
07.04. "Natura 2000" - Kräuterführung mit anschließendem Buffet
30.04. Kräuterwanderung zur Hexennacht. Im Anschluss: Beltanefeuer und Live-Musik

weitere Termine und Informationen unter:
http://www.kraeuter-hexen.de

Auch Interessant:
Anzeigen