Rucola alias Rauke: Rückkehr nach 2.000 Jahren
Tags: Rucola, Salat

Wenn von Rucola die Rede ist, ist nicht immer sofort klar, welche Pflanze gerade gemeint ist. Denn der Name wird umgangssprachlich für zwei unterschiedliche Pflanzenarten aus der Familie der Kreuzblütengewächse verwandt: Für die Garten-Senfrauke, botanisch Eruca sativa, und für den Schmalblättrigen Doppelsame, botanisch Diplotaxis tenuifolia.

Beide Pflanzen ähneln sich im Geschmack. Charakteristisch sind das an Walnuss erinnernde Aroma und die Schärfe. Sie kommt von den enthaltenen Senfölglycosiden. Diesem sekundären Pflanzenstoff verdanken beispielsweise auch Rettich, Meerrettich, Senf, Kresse, und Kapuzinerkresse ihren leicht bitteren, scharfen Geschmack. Als „klassische Rauke“ könnte man die Garten-Senfrauke bezeichnen. Sie wird nicht nur als Salat genutzt, aus ihren Samen lässt sich auch ein aromatisches Öl produzieren. Sie wird daher auch als Ölrauke bezeichnet.

Auch Karl der Große kannte die Rauke

Bei der heutzutage als Blattsalat angebotenen Ware handelt es sich meistens um Zuchtformen von Diplotaxis tenuifolia. Ihre Blätter sind kleiner als die der Senfrauke, der Geschmack ist dafür noch intensiver. Am leichtesten lassen sich die beiden Rucola-Sorten übrigens anhand ihrer Blüten unterscheiden: Die Senfrauke blüht weiß, Diplotaxis hingegen gelb. In wärmebegünstigten Regionen wie Rheinhessen hat sich der Schmalblättrige Doppelsame in der Natur seinen Lebensraum erobert: Etwa ab Juni blüht er an vielen Wegesrändern leuchtend gelb und ähnelt dann dem Raps auf den Feldern, der botanisch betrachtet ein naher Verwandter ist.

Die ursprüngliche Heimat beider Pflanzen ist der Mittelmeerraum. Insbesondere die Senfrauke liebten schon die alten Griechen und Römer: Sie galt ihnen als Aphrodisiakum. Auch Karl der Große schätzte die Rauke: Sie gehörte zu jenen Pflanzen, deren Kultivierung er in seinem Erlass Capitulare de villis et curtis imperialibus befahl. Vermutlich war zu jener Zeit das antike Wissen über die appetitanregende und harntreibende Wirkung der Rauke noch bekannt.

Ein antikes Aphrodisiakum

Im Mittelalter ging dieses Wissen über die positiven Eigenschaften jedoch verloren, die Rauke geriet in Vergessenheit. Ihr Comeback feierte sie in Deutschland erst in den 1980er Jahren, als es einen allgemeinen Trend zu internationaler und vor allem mediterraner Küche gab. Wie schon einmal vor 2.000 Jahren überquerte sie die Alpen und etablierte sich unter ihrem italienischen Namen Rucola erneut in unseren Küchen.

Vielseitig verwendbar

Meistens werden die jungen Rucola-Blätter als Salat verwendet. Dabei kann Rucola noch viel mehr: Er eignet sich ganz wunderbar als Würze zum Beispiel für Pasta, Risottos, Ragouts oder Suppen. Auch ein Pesto lässt sich daraus herstellen, dabei sollte man eine möglichst nicht zu bittere Sorte bzw. nur junge Blätter verwenden.

Neben den wertvollen sekundären Pflanzenstoffen wie den Senfölglykosiden enthält Rauke zudem Beta-Carotin, das der Körper in wichtiges Vitamin A umwandeln kann. Das für Stoffwechselvorgänge elementare B-Vitamin, Vitamin C, Folsäure und viele Mineralstoffe wie Kalium und Kalzium machen Rucola zu einem gesunden Nahrungsmittel. Wegen des relativ hohen Gehalts an Jod ist der Genuss von Rucola bei einer Unterfunktion der Schilddrüse zu empfehlen.

Foto: Pixabay CC0

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