25 Jahre Partnerschaft mit Nysa - Landrat Thomas Barth: Wir brauchen die jungen Menschen
Europa beginnt dort, wo Menschen sich begegnen. Für den Mainz-Binger Landrat Thomas Barth ist dies Motto und Auftrag zugleich, formuliert bei der Feier zum 25-jährigen Partnerschaftsjubiläum zwischen dem Landkreis Mainz-Bingen und dem polnischen Landkreis Nysa: „Städte- und Kreispartnerschaften sind ein Stück europäische Friedensarbeit. Ich wünsche mir deshalb, dass wir in den kommenden Jahren unsere bestehenden Kontakte weiter vertiefen und gleichzeitig neue Menschen für die Partnerschaft begeistern - Schulen und Vereine, Jugendgruppen, Unternehmen und Institutionen.“
In den 25 Jahren, seit die damaligen Landräte Zbigniew Majka und Claus Schick die jetzt erneuerte Partnerschaftsurkunde unterzeichneten, sind die beiden Kreise zusammengewachsen. Neben echter Hilfe, wie zum Beispiel 2024, als der Landkreis Mainz-Bingen nach den verheerenden Überschwemmungen im Landkreis Nysa 50.000 Euro als Soforthilfe für den Wiederaufbau von Schulen und Kindergärten bereitstellte, blickten Landrat Thomas Barth und die stellvertretende Landrätin aus Nysa, Jolanta Barska, auf mehr als 100 Begegnungen zurück: „Besonders wichtig war uns dabei immer der Austausch junger Menschen“, sagte Thomas Barth, der zum Jubiläum dem Landkreis Nysa mit dem Karlsbrunnen-Ehrenmedaille des Landkreises verlieh.
Jugendaustausche gemeinsam mit den italienischen Partnern aus Verona, Studierendenaustausche, Praktika, Sommersprachkurse waren und sind wichtige Bestandteile der Verbindung. Dies stellte auch der polnische Generalkonsul Marek Głuszko in seiner Festrede heraus: „Einander besser kennenlernen und verstehen - das war und ist die ursprüngliche Idee für das Eingehen der Partnerschaften. Sie sind heute ein unverzichtbares Instrument der Zusammenarbeit und Völkerverständigung in Europa.“
Hendrik Hering, Präsident des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz, warf einen Blick in die Zukunft: „Die Partnerschaften werden nicht einschlafen, wenn wir die Chance ergreifen, innovative Projekte zu entwickeln: kreative und nachhaltige Formate mit einer generationsübergreifenden Dimension.“ In Mainz-Bingen werde dies etwa durch die Zusammenarbeit zwischen der Technischen Hochschule Bingen und der Fachhochschule in Nysa oder mit dem Fachpraktikumsangebot der Kreisverwaltung in Ingelheim für Studierende der Hochschule Nysa gelebt.
Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, auf aktuelle politische und gesellschaftliche Spannungen sowie auf Diskussionen über Grenzen, nationale Interessen und die Zukunft der Europäischen Union, machte Landrat Thomas Barth deutlich: „Ich bin überzeugt: Gerade jetzt brauchen wir ein Europa, dass von seinen Bürgerinnen und Bürgern getragen wird.“ Europa bestehe nicht nur aus Institutionen, Verträgen und Regeln, sondern auch für gegenseitiges Verständnis und Solidarität: „Und genau hier liegt die besondere Stärke kommunaler Partnerschaften, so wie in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm mit Gucholazy oder Ingelheim mit Nysa schon seit jahrzehnten praktiziert.“
Die Freundschaft zu Nysa soll daher weiterwachsen. Bei Rettungsdienst und Feuerwehr soll die Zusammenarbeit verstärkt, die Landfrauen miteinander vernetzt werden. Sichtbares Zeichen der Freundschaft ist eine Partnerschaftsbank vor dem Dienstgebäude II in Ingelheim – adäquat zur im Juni eingeweihten Partnerschaftsbank in Nysa.
Thomas Barth: „Wir brauchen die jungen Menschen von heute, die darüber entscheiden werden, wie Europa in 20 oder 30 Jahren aussieht. Sie sollen Europa nicht nur aus Geschichtsbüchern kennen. Sie sollen Europa erleben. Sie sollen selbstverständlich über Grenzen fahren, andere Sprachen sprechen, Freundschaften in anderen Ländern haben und sich als Teil eines gemeinsamen Europas verstehen. Wenn wir ihnen das ermöglichen, dann haben wir viel für die Zukunft unseres Kontinents getan.“
Musikalisch begleitete den Festakt die junge Geigerin Martha Tykha von der Musikschule Ingelheim und Jeong-Hwa Fischer am Klavier. Die Moderation übernahm Karin Kerkewitz, Mitglied im Partnerschaftskomitee Nieder-Olm und Gucholazy, gebürtige Schlesierin, dazu im Zwiegespräch mit Regina Maczak, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Ingelheimer Städtepartnerschaften, aus ihren Anfängen in Deutschland in den 80er-Jahren berichteten.
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