75 Jahre Ingelheim - eine Stadt in Bewegung
Ort: Ingelheim

Es ist Zeit, einen Rückblick auf die letzen 75 Jahre zu werfen. Ingelheimer Marktplatz hat für Sie einige der wichtigsten Meilensteine aus dem Fundus der Projektagentur „Westermann Kommunikation“ zusammengefasst: September 2014 wurde bereits zu diesem Thema eine Fotoschau „Wir in Ingelheim“ gezeigt. Diese Open-Air-Schau bewegte sich in Ingelheim und ihren Stadtteilen und brachte den Menschen das Leben in Ingelheim vor 75 Jahren näher.

Die Urkunde - Stadt Ingelheim am Rhein

Wie so häufig bei kommunalen Neuordnungen führten die Diskussionen in der Weimarer Zeit zu keinem Ergebnis. So geht der Zusammenschluss der einzelnen Gemeinden zur Stadt Ingelheim am Rhein am 1. April 1939 zwar auf eine lange Debatte in der Bürgerschaft zurück, nicht aber auf eine demokratische Entscheidung. Er wurde vom NS-Regime von oben per Erlass angeordnet. Dieser „Geburtsfehler“ wurde gleich nach dem Krieg vom frisch gewählten Stadtrat am 15. Januar 1947 korrigiert und der Zusammenschluss bestätigt.

Ingelheim im Krieg

Am 3. April 1939 wird das Ingelheimer Krankenhaus eingeweiht. Die Bevölkerung wird auf den Krieg vorbereitet. Luftschutz-Übungen werden abgehalten und Luftschutzkeller eingerichtet. Ingelheim kommt im Vergleich zu Mainz glimpflich durch den Krieg obwohl in unmittelbarer Nähe strategisch wichtige Ziele liegen. Am Kriegsende hat Ingelheim 572 Gefallene und 98 Vermisste zu beklagen. Mit den Amerikanern, die Ingelheim im Juni 1945 an die Franzosen übergeben, beginnt die eigentliche Geschichte der Stadtwerdung von Ingelheim am Rhein. Dr. Georg Rückert, der 1933 vom NS-Regime entlassene Bürgermeister von Ober-Ingelheim, wird als Bürgermeister für ganz Ingelheim eingesetzt.

Vieles begann mit dem Fridtjof-Nansen-Haus

Es war die große Beharrlichkeit von Hans-Heinz Eppelsheimer, die zur Gründung des Fridtjof-Nansen-Hauses führte. 1957 wurde das Gebäude (Architekt: Lothar -Posern) eingeweiht. Hier gingen diejenigen ein und aus, die mehr aus sich selbst und aus Ingelheim machen wollten. Persönliche Weiterbildung ist bis heute eine Säule des Angebots. Kreativitätsentwicklung und Seniorenarbeit kamen früh hinzu. Ingelheim war ein bundesweit -beachtetes Vorbild für die Volkshochschulen.

Boehringer Ingelheim – Im Zeichen der Kaiserpfalz

Schon in der Bildmarke um 1900 bekennt sich das Unternehmen zum Standort Ingelheim. Die Kaiserpfalz bildet die feste Burg im Unternehmenslogo. Daran hat sich bis heute nichts geändert, zeigt doch das aktuelle Signet das stilisierte Heidesheimer Tor der Kaiserpfalz. Dabei stammt die Unternehmerfamilie Boehringer ursprünglich nicht aus Ingelheim sondern aus dem Schwäbischen. Albert Boehringer kaufte 1885 eine Weinstein-Fabrik im aufstrebenden Rheingraben. Die Fabrik lag verkehrsgünstig an der Ludwig-Bahn, mit der Ingelheim seit 1859 Gleisanschluss an den Fortschritt gefunden hatte, und entwickelte sich rasant. Das Weltunternehmen mit Stammsitz von Ingelheim ist heute ein wichtiger Arbeitgeber, der kulturell sowie infrastrukturell sehr engagiert ist.

Neues Rathaus – Das Zentrum entsteht

Der Rathaus-Bau 1982 war der Quantensprung für die Stadtentwicklung. Die über das Stadtgebiet verstreuten Amtsstellen wurden hier zusammengefasst. Das Marktzentrum ergänzte das Verwaltungszentrum. Der Ingelheimer Künstler Armin Wermann schuf die liebevoll „Bohnemielche“ genannte Skulptur für den neuen Marktplatz.

In der Mitte eine Fabrik

Das alles überragende Gebäude im künftigen Stadtzentrum war bis in die 80er Jahre hinein der Fabrikkomplex von Maehler & Kaege (Fabrik für Elektrotechnik, errichtet 1940). Die Fabrik wurde ins Gewerbegebiet „Schaafau“ umgesiedelt und durch Wohn- und Geschäftsbebauung sowie die Ingelheimer Stadtbücherei ersetzt. 1994/95 konnte hier auch das kreisrunde Gebäude für die Kreisverwaltung Mainz-Bingen errichtet werden. 1996 folgte die Ernennung Ingelheims zur Kreisstadt. Damit gelang ein weiterer Schritt auf dem Weg zum attraktiven Mittelzentrum in Rheinhessen. Eine Entwicklung war angestoßen, die zu weiteren Bau-Investitionen im Stadtzentrum führte.

Überlegen Sie doch einmal selbst, wie war es damals als man zum Beispiel zum Tanzen in das Hotel Erholung oder zum „Schnuckelzeug-Kaufen“ an den Pilzkiosk auf dem Bahnhofsvorplatz ging? Gerne erinnert man sich an das Kiosk gegenüber dem Bahnhof, das aussah wie ein Fliegenpilz. Mit Hilfe von Kindern wurde bei der MiMa-Ausstellung als Ferienprogramm unter Anleitung von Katja v. Puttkamer mit den Kindern und zwei Azubis der Karl Gemünden GmbH & Co. KG dieser sogenannten Milchpilz für Kinder kleiner nachgebaut. Bauunternehmen Gemünden erkannte den historischen Wert des Milchpilzes und setzte sich für dessen Verbleib ein. Seit 2008 kann er nun im Freilichtmuseum am Kiekeberg bei Hamburg besichtigt werden. Die Bezeichnung Milchpilz wurde von den Molkereien in den 50ern ins Leben gerufen, um gegen die Erfrischungsgetränke, die an jedem Kiosk angeboten wurden, zu konkurrieren. Es galt zu dieser Zeit als schick, sich an der Milchbar zu treffen. Zudem war der Glückspilz ein positives Symbol in der Zeit des Wiederaufbaus.

Den Anstoß für die Aktion „75 Jahre Ingelheim“ gab Oberbürgermeister Ralf Claus. Er wollte die Tradition fortsetzen, an den Stadtgeburtstag am 1. April 1939 zu erinnern. Kein ganz unbelastetes Datum mitten in der Nazi-Zeit und fünf Monate vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Die Älteren hatten die 50-Jahr-Feier auf dem 1989 noch neuen Marktplatz vor dem neuen Rathaus in bester Erinnerung. 2014 erlebt Ingelheim - weitere 25 Jahre später - mit dem Neubau der Kulturhalle einen weiteren Sprung auf dem Weg zu einem lebendigen Stadtzentrum.

Die in Ingelheim ansässige Projektagentur „Westermann Kommunikation“, bekannt durch das Lichtfest Luminale in Frankfurt, wurde vom Stadtrat mit dem Konzept beauftragt. Der Vorschlag sollte möglichst einfach und direkt alle Ingelheimer Bürger einbeziehen und erreichen. Deshalb wurden die Ingelheimer gebeten, ihre Fotoschätze aus Alben und Diakästen zur Verfügung zu stellen. Daraus entstand ein Ingelheimer Kaleidoskop von Themen zwischen Jugendkultur bis hin zu Weinbau und Kaiserpfalz, das auf dem Friedrich-Ebert-Platz zu besichtigen ist. Das Ziel, möglichst alle auf das Thema „Wir in Ingelheim“ aufmerksam zu machen, dürfte erreicht sein. Über den Sommer wurde eine Auswahl der Fotos auf Postkarten abgebildet. Die Werbegemeinschaft „Ingelheim aktiv“ legte diese in allen Mitgliedsgeschäften aus. 18.000 Postkarten wurden so unter die Bürger gebracht. Ein wöchentliches Foto-Quiz auf Facebook erreichte Woche für Woche mehrere tausend Bürger, die sich mit großem Spaß beteiligten. Ingelheimer Geschäftsleute wie Hubertus Wermann setzten einen Ingelheim-Ring als Preis aus. „Die Identifikation der Ingelheimer mit ihrer Stadt dürfte durch die Mitmach-Fotoaktion weiter gewachsen sein“, so ein zufriedener Ausstellungsmacher Helmut Bien.

Bild- und Text-Quelle:
Helmut M. Bien
Westermann Kommunikation
info@westermann-kommunikation.de
http://www.westermann-kommunikation.de

Nachrichten und Informationen zur Ausstellung gibt es hier:
http://www.facebook.com/pages/75-Jahre-Stadt-Ingelheim-Stadtgeburtstag/1417551495146157

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