Immer diese Umstellung
Es könnte alles so schön sein. Wärmende Sonnenstrahlen verlocken zum Aufenthalt draußen – vielleicht sogar zu einem Eisbecher im Freien. In den Vorgärten zaubern Frühblüher ein buntes Bild. Und irgendwie hat man das Gefühl, die dunkle Jahreszeit jetzt endgültig hinter sich gelassen zu haben. Schon Goethe pries „des Frühlings holden belebenden Blick“.
Wovon er allerdings nicht sprach, war ein Umstand, der uns diese so will- kommene Umstellung verleiden kann – die obligatorische Umstellung unserer Uhren auf die Sommerzeit. Hat man die Winternächte unter der Bettdecke noch einigermaßen ausgehalten, so fühlt man sich jetzt um eine Stunde des wohligen Schlafs betrogen. Wer hatte eigentlich diese Idee, die uns jetzt darüber grübeln lässt, ob wir den Wecker eine Stunde vor oder zurück stellen müssen?
1784 sinnierte Benjamin Franklin darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn wir unseren Lebensrhythmus dem Verhalten der Sonne anpassen würden und einfach früher aufstehen würden. Der Mann, der nicht nur US-Präsident war und ganz nebenbei auch den Blitzableiter erfunden hatte, beließ es aber bei diesem Gedankengang. Konkreter waren da schon die Pläne des britischen Bauunternehmers William Willett (1856 – 1915). Auf seinen morgendlichen Ausritten runzelte er die Stirn, weil die Menschen ihre Fensterläden noch geschlossen hatten – obwohl die Sonne bereits am Himmel stand. Er startete eine Initiative zur Einführung einer „Daylight Saving Time“ und brachte sogar Winston Churchill auf seine Seite. Sein etwas umständlicher Umstellungstakt fand aber keine parlamentarische Mehrheit. Vielleicht hatten die Briten ja in Anbetracht des gerade ausgebrochenen Ersten Weltkriegs drängendere Fragen zu klären als eine Zeitumstellung. Zwei andere der kriegführenden Nationen – Deutschland und Österreich-Ungarn – führten allerdings diese Zeitumstellung ein. Begründet wurde dies mit einer dadurch erhofften Energieeinsparung. Die ist übrigens auch heute ein oft vorgebrachtes Argument.

Ihren „Durchbruch“ erreichte die Umstellung auf den Wechsel von Winterzeit und Sommerzeit durch die EU-weite Einführung 1980. Und Jahr für Jahr streiten sich Befürworter und Gegner über Sinn und Zweck dieser Aktion, die uns zweimal im Jahr Verdruss bereitet.
Ach ja – wenn Sie sich immer noch nicht sicher sind, wie Sie ihren Wecker richtig umstellen, dann hilft vielleicht folgende „Eselsbrücke“: „Im Frühjahr holen wir die Gartenmöbel vor das Haus – und im Herbst zurück ins Haus.“.Jetzt sollte es eigentlich klappen mit der Umstellung Ihrer häuslichen Zeiterfassungsgeräte und Zeitsteuerungen. Und wenn diese „radio controlled“ sind und das Signal des Zeitzeichensenders Mainflingen empfangen, dann umso besser.
Bliebe noch die Frage, wie das zum Beispiel der Hahn macht, der uns frühmorgens weckt …








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