Kreisverwaltung setzt Impulse für Teilhabe zugewanderter Frauen
Trotz Ausbildung und Berufserfahrung bleiben viele zugewanderte Frauen außen vor.
Fehlende Sprachkenntnisse, unklare Anerkennung von Abschlüssen und mangelnde Kinderbetreuung erschweren ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt.
Bei der Auftaktveranstaltung des Integrationsbüros der Kreisverwaltung Mainz-Bingen zeigte Dr. Tanja Fendel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) anhand aktueller Zahlen, wie groß diese Hürden sind. Mit dem neuen Integrationsschwerpunkt will der Landkreis genau hier ansetzen und konkrete Wege in Sprache, Arbeit und Beratung eröffnen.
Während die Integration von Männern zunehmend Fortschritte macht, bleibt die Entwicklung bei vielen zugewanderten Frauen deutlich zurück. Dr. Tanja Fendel machte deutlich, was sie ausbremst: fehlende Kinderbetreuung, unzureichende Sprachförderung und langwierige Anerkennungsverfahren bremsen ihren Einstieg in Arbeit und Weiterbildung. Hinzu stellen Behördengänge, Wohnungssuche und Fragen des Familiennachzugs zusätzliche Hürden dar. Als mögliche Handlungsperspektiven stellte sie flexible Arbeitszeiten für Frauen und Männer sowie gezielte Sprach- und Weiterbildungsangebote vor, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren und vorhandene Qualifikationen wirksam einzubinden.
Anschließend brachte die Zweite Kreisbeigeordnete Almut Schultheiß-Lehn Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Praxis und Ehrenamt sowie betroffene Frauen auf dem Podium zusammen. Den Auftakt der Diskussion bildete der Erfahrungsbericht einer zugewanderten Frau aus der Ukraine, die ihren bisherigen Integrationsweg schilderte – von ersten Sprachkursen bis zu den Herausforderungen bei der Anerkennung ihres Berufsabschlusses. Auf dieser Grundlage diskutierten die Teilnehmenden konkrete Hürden wie die Sprachförderung und mögliche neue Ansätze, um die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe zugewanderter Frauen im Landkreis weiter zu stärken. Neben dem fachlichen Austausch bot die Veranstaltung auch Raum für persönliche Gespräche und Vernetzung.
„Der Austausch zeigt, wie wichtig es ist, Praxiswissen und Betroffenenerfahrungen zusammenzubringen“, erklärte die Kreisbeigeordnete. „Nur so können wir konkrete Strategien entwickeln, die zugewanderten Frauen echten Zugang zu Ausbildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe eröffnen.“
Auch Landrat Thomas Barth betont die Relevanz der Veranstaltung: „Die Auftaktveranstaltung liefert wertvolle Impulse, die unsere Integrationsarbeit praxisnah und wirksam machen. Die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure vor Ort ist entscheidend, um Teilhabe nachhaltig zu fördern.“
Zum Abschluss des Abends gaben Janine Göthling und Linda Blessing vom Integrationsbüro der Kreisverwaltung einen Ausblick auf die geplanten Projekte für 2026. In der ersten Jahreshälfte sollen gezielt Treffen in den Verbandsgemeinden und Städten stattfinden, um Frauen vor Ort zu unterstützen und zu beraten. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und den Einstieg in die berufliche Teilhabe zu erleichtern – gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Sprache und Beruf. In der zweiten Jahreshälfte sind thematische Veranstaltungen, Workshops und Austausche mit Expertinnen und Experten geplant. Bereits während der Veranstaltung konnten die Teilnehmenden bereits einen konkreten Eindruck davon gewinnen, wie die entwickelten Ideen im Integrationsjahr umgesetzt werden sollen.
Die Auftaktveranstaltung markiert den offiziellen Startpunkt des Jahresschwerpunkts „Gesellschaftliche und berufliche Teilhabe zugewanderter Frauen“ im Integrationsbüro, der durch das Programm „Kommunales Integrationsmanagement Rheinland-Pfalz (KIM)“ finanziell unterstützt wird.
Weitere Informationen zu den Angeboten des Integrationsbüros und zu den Projekten im Landkreis Mainz-Bingen finden Sie auf der Seite „Integration“ auf der Homepage der Kreisverwaltung unter https://www.mainz-bingen.de und im Veranstaltungskalender der Kreisverwaltung unter https://www.mainz-bingen.de/de/veranstaltungen.
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