Netzwerkkonferenz Kindeswohl rückt psychische Gesundheit von Familien in Fokus
Wie können Familien in belastenden Zeiten besser unterstützt werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 180 Fachkräfte aus Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Beratung und Verwaltung bei der Netzwerkkonferenz Kindeswohl des Jugendamtes des Landkreises Mainz-Bingen im Kreistagssaal in Ingelheim. Die Veranstaltung stellte die Resilienzstärkung im Familiensetting in den Mittelpunkt und setzte ein deutliches Zeichen für stärkere Vernetzung, frühe Unterstützung und einen offenen Umgang mit psychischen Belastungen im Familienalltag.
Familien stehen heute unter einem hohen Druck. Gesellschaftliche Krisen, steigende Anforderungen im Alltag und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf belasten viele Eltern spürbar. Besonders Mütter tragen häufig eine hohe emotionale Verantwortung und erleben eine dauerhafte Doppelbelastung. Die Konferenz griff diese Entwicklungen gezielt auf und rückte die Bedeutung psychischer Gesundheit für Eltern und Kinder in den Fokus.
„Kinderschutz beginnt lange, bevor Krisen sichtbar werden. Wir müssen Familien frühzeitig erreichen, ihnen Sicherheit geben und verlässliche Unterstützungsangebote schaffen“, betonte Landrat Thomas Barth. Netzwerke wie die Netzwerkkonferenz Kindeswohl seien dafür unverzichtbar, da sie Fachwissen bündeln und den direkten Austausch zwischen unterschiedlichen Professionen ermöglichen.
Die Organisatorinnen Jana Muckelmann und Odmandakh Ganzorig hoben hervor, dass besonders die präventive Arbeit der Frühen Hilfen eine zentrale Rolle spiele. „Resilienz bedeutet nicht, Belastungen allein aushalten zu müssen. Entscheidend ist es, sich frühzeitig Unterstützung zu suchen und Hilfsangebote ohne Hürden nutzen zu können“, erklärten sie.
Fachlichen Input lieferte Isabella Helmreich vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung. In ihrem Vortrag erläuterte sie wissenschaftliche Erkenntnisse zu Schutzfaktoren im Familiensystem, zur Krisenbewältigung und zu evidenzbasierten Präventionsansätzen. Dabei wurde deutlich, wie wichtig stabile soziale Netzwerke und frühzeitige Unterstützung für die psychische Gesundheit von Eltern und Kindern sind.
Die Veranstaltung fand bewusst am Welttag der psychischen Gesundheit von Müttern statt und rückte damit die Bedeutung früher Unterstützung für Familien in den Mittelpunkt. Schätzungen zufolge entwickeln etwa zehn bis 15 Prozent der Frauen nach der Geburt eine behandlungsbedürftige postpartale Depression. Umso wichtiger sind verlässliche und gut vernetzte Unterstützungsstrukturen, die Familien frühzeitig erreichen und begleiten. Angebote der Frühen Hilfen, Beratungsstellen, medizinische Fachkräfte und soziale Netzwerke leisten dabei einen entscheidenden Beitrag, um Belastungen früh zu erkennen, passende Hilfen anzubieten und Familien in herausfordernden Situationen zu stärken. Informationen zu den vielfältigen Angeboten und Anlaufstellen der Frühen Hilfen im Landkreis finden sich u.a. auf der Website der Kreisverwaltung.
Neben den Fachvorträgen bot ein „Markt der Möglichkeiten“ Raum für Austausch und Vernetzung. Verschiedene Fachstellen präsentierten dort ihre Angebote und Informationsmaterialien. Ziel war es, bestehende Unterstützungsstrukturen sichtbar zu machen und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen weiter zu stärken.
Die Netzwerkkonferenz Kindeswohl ist Teil einer jährlich stattfindenden Veranstaltungsreihe des Jugendamtes des Landkreises Mainz-Bingen. Grundlage bildet das rheinland-pfälzische Landeskinderschutzgesetz mit dem Ziel, lokale und interdisziplinäre Netzwerke zum Schutz und Wohl von Kindern nachhaltig auszubauen.







