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Lokal • 1. Februar 2026

Plüschtiere in der Burgkirche?

Bereits im Matthäus-Evangelium ist zu lesen: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“! So soll Jesus bei seiner „Kindersegnung“ gesprochen haben. Lucas Cranach (der Ältere) hat dies 1538 in einem Gemälde festgehalten, das im Frankfurter Städel-Museum zu sehen ist. Da lag für die Ingelheimerin Helga Lerch als zertifizierte Gästeführerin mit einer zusätzlichen Qualifikation als Kirchenführerin der Gedanke nahe, doch einmal eine spezielle Führung in der Burgkirche ihrer Heimatstadt anzu- bieten – und zwar ausschließlich für Kinder ab 5 Jahren. Erwachsene waren ausdrücklich nur als Begleitpersonen „erlaubt“ und sollten im Hintergrund bleiben. Ausdrücklich erlaubt waren hingegen Stoff- und Plüschtiere als „Kumpel“ der Kids. Die sollten die jungen Besucher dann an den Stellen platzieren, zu denen sie gerne Näheres erfahren wollten.

Da zeigte es sich, dass Kinder das Innere einer Kirche unter einem ganz anderen Blickwinkel wahrnehmen als Erwachsene. Dementsprechend stellen sie auch ganz andere Fragen. Diese Fragen haben denn auch erwartungsgemäß wenig mit Architektur oder Baugeschichte zu tun. Ihre Fragen betreffen in kindlicher Weise das, was einen Kirchenraum zu einem Ort des Lebens und Erlebens von Glauben macht. Und das zeigte sich auch in dem, was die Kinder mit ihren Buntstiften zu Papier brachten – als Visualisierung ihrer Eindrücke. Das geht tiefer ins Innere als die bloße Wiedergabe von gerade Gesehenem. Und das Hilfsmittel des plüschigen Begleiters trug wesentlich zur Öffnung der jungen Gäste für das Emotionale eines Kircheninnern bei. Bei vielen Erwachsenen gelingt diese Öffnung nicht mehr – oder nur noch schwer.

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Wer anfangs skeptisch war, ob eine „Kinderführung“ denn überhaupt Sinn mache, wurde jetzt eindrucksvoll eines Besseren belehrt – auch wenn die kindlichen Besucher und ihre Schmuse-Begleitung kein Führungs-Honorar zu entrichten hatten. Und die mitgebrachten Schmusetiere stellten mitnichten eine Entweihung des sakralen Raums dar – selbst wenn sie auf der Kanzel oder dem Altar platziert worden waren.

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