SamstagSa., 4. Juli 2026
Ingelheim, 22 °C Sonnig.
Copyright/Quelle Bilder:
Anzeige
Lokal • 29. Juni 2026

Umbau des Rettungsdienstes läuft auf Hochtouren

Im Rettungsdienstbereich Mainz ist derzeit vieles in Bewegung, wenn auch noch nicht im großen Umfang sichtbar. „Wir stellen seit zwei Jahren alles auf den Prüfstand, entwickeln Ideen, führen Gespräche“, sagt der Ärztliche Leiter Rettungsdienst, Dr. Carsten Lott. Um strukturelle Nachbesserungen und die Erweiterung von Kapazitäten sinnvoll und zielgenau zu erreichen, brauche es aber fundierte Analysen, und die brauchen Zeit: „Am Ende müssen wir die Krankenkassen als Kostenträger von der Notwendigkeit unserer Planungen überzeugen. Dazu braucht es gutes Material.“

Dabei geht es keinesfalls um die Vermeidung von Kosten, wie es kürzlich in einem Presseartikel hieß, sondern vielmehr darum, das vorhandene Geld wirklich so verantwortungsvoll einzusetzen, dass es für den Rettungsdienst im gesamten Bereich und damit für die Bürgerinnen und Bürger hilfreich ist.

Anzeige

Ausgangspunkt ist die Hilfeleistungsfrist, nach der ein Rettungsmittel einen Einsatzort spätestens 15 Minuten nach Alarmierung erreichen soll. Zwar werde dieses Ziel in der Tat regional unterschiedlich gut erreicht. In der Gesamtschau auf den ganzen Rettungsdienstbereich wird diese Frist jedoch im Bundesvergleich überdurchschnittlich erfüllt. Hier gilt 95,74 Prozent für die gesamte Region von Mainz und Worms sowie den Landkreisen Mainz-Bingen, Alzey-Worms und Bad Kreuznach. Typische Daten aus verfügbaren Quellen anderer Bereiche liegen zwischen 90 bis 95 Prozent in Großstädten und 70 bis 90 Prozent in ländlichen Regionen.

Anzeige

„Darauf ruhen wir uns aber selbstverständlich nicht aus“, sagte der ÄRLD weiter. In den Kommunen, in denen die Hilfeleistungsfrist nachhaltig nicht in 95 Prozent der Fälle eingehalten werden kann, wird nach Möglichkeiten gesucht diese zu verbessern. So hat beispielsweise eine Projektgruppe aus Experten 2024 identifiziert, wo welcher dringende Handlungsbedarf besteht. Die Ergebnisse werden bereits schrittweise umgesetzt, erster Ausfluss dessen war zum Beispiel die Inbetriebnahme der beiden Wachen-Außenstellen in Osthofen und Pferdsfeld, die bereits seit vergangenem Jahr für Entlastung sorgten.

Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs: An der Ertüchtigung beziehungsweise Verlagerung von Wachen wird genauso gearbeitet, wie etwa an der Optimierung der Verteilung der Fahrzeuge auf die Standorte sowie deren Einsatzzeiten. „Dafür steht uns eine Fülle von Einsatzdaten zur Verfügung, die wir laufend sorgfältig auswerten“, sagte Dr. Carsten Lott: „Dabei nehmen wir zwar alle Orte und Daten ernst. Für eine belastbare Planung ist aber eine gewisse Zahl von Einsätzen je Ort erforderlich.“ Außerdem seien hier viele Absprachen nötig, zum Beispiel mit den Kommunen wegen des Baurechts für Standorte oder eben den Krankenkassen als Kostenträgern für die Finanzierung. „Hier muss viel im geschützten Raum vorbesprochen werden, bevor medienwirksam Ergebnisse verkündet werden können.“

Anzeige

Daneben betrachtet der Ärztliche Leiter Rettungsdienst und sein Team die Notfallversorgung sektorenübergreifend, um die Nutzung der vorhandenen Rettungsmittel zu optimieren. Hier gibt es eine ganze Reihe von Projekten, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Dabei liegt der Fokus auch auf der Schulung der Bevölkerung, um die Zahl der Ersthelfer zu erweitern. Schulausbildungsprojekte in Kooperation mit der Universitätsmedizin Mainz und die Einführung einer App-basierten Ersthelferalarmierung zur Verkürzung therapiefreier Intervalle stehen hier auf de Programm. Zudem wird in Bad Kreuznach das Pilotprojekt CoCare+ begleitet, womit der Rettungsdienst bei niedrigprioritären Fällen entlastet werden soll.

Bereits umgesetzt oder in fortgeschrittener Planung sind:

Zusammenlegung der Leitstellen der Berufsfeuerwehren Mainz und Worms mit der Integrierten Rettungsleitstellen in Bad Kreuznach und Mainz zur Bündelung vorhandener Ressourcen; Einführung des Telenotarztes auch am Standort Universitätsmedizin Mainz zur Unterstützung des Rettungsdienstes; Anpassung der Alarm- und Ausrückeordnung zur Optimierung des Rettungsmitteleinsatzes; Einführung einer digitalen Patientenvoranmeldung zur Entlastung des Rettungsdienstes; Erneuerungs- oder Neubauplanung bestehender Rettungswachen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst; Vorgaben zu Krankenfahrten, Hausnotrufeinsätzen und Bluttransporten zur Vermeidung nicht erforderlicher Rettungsdiensteinsätze; Kontaktaufnahme zu „frequent usern“ zur Identifikation alternativer Versorgungsangebote und konsekutiver Entlastung des Rettungsdienstes; Einführung einer softwarebasierten Notrufabfrage zur Unterstützung des Leitstellenpersonals und Optimierung des Rettungsmitteleinsatzes.

Auch interessant

Klima- und Umweltschutz im Fokus: Delegation aus der Partnerstadt Anamur besucht Landkreis Mainz-Bin

Neue Impulse für den kommunalen Klima- und Umweltschutz: Kürzlich besuchte eine Delegation aus Anamur, der türkischen Partnerstadt von Bingen, die Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Die Zweite Kreisb...
25 Jahre Partnerschaft mit Nysa: Zum Jubiläum viele Zukunftsideen geschmiedet

Katastrophenschutz, Studierendenaustausch und internationaler Jugendaustausch: Drei wichtige Pfeiler, auf denen die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Mainz-Bingen und dem polnischen Partnerlandk...
Royaler Glanz im Kreishaus: Landrat Thomas Barth empfängt Majestäten

Wahrlich majestätisch ging es beim Empfang im Kreishaus zu: Landrat Thomas Barth hatte die Weinmajestäten und Repräsentantinnen aus den Kommunen und Weinanbaugebieten des Landkreises Mainz-Binge...
END