Frühzeitige Reanimation kann Leben retten: Fünf Kommunen schaffen mit Ersthelfer-App eine gemeinsa
In Deutschland gibt es jährlich etwa 130.000 außerklinische Herz-Kreislauf-Stillstände. In rund der Hälfte der Fälle wird versucht, die Patienten wiederzubeleben. Die Überlebensrate nach Reanimation bis zur Krankenhausentlassung liegt bei knapp elf Prozent. Diesen Wert will die hiesige Rettungsdienstbehörde verbessern. In der sogenannten Ersthelfer-App können sich voraussichtlich ab Sommer des nächsten Jahres Freiwillige registrieren, um Mitmenschen in Not zu helfen. Voraussetzung: ein Erste-Hilfe-Kurs nicht älter als zwei Jahre und Volljährigkeit.
Rund 820.000 Menschen können potenziell von der neuen Ersthelfer-App profitieren, die in den Landkreisen Mainz-Bingen, Alzey-Worms und Bad Kreuznach sowie den beiden Städten Mainz und Worms gültig sein wird. „Es freut mich sehr, dass damit unsere gut funktionierende interkommunale Zusammenarbeit in der Region einen weiteren wichtigen Baustein bekommt“, sagte Thomas Barth, der als Landrat des Kreises Mainz-Bingen auch Chef der Rettungsdienstbehörde ist. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt das Projekt mit einer Förderung in Höhe von 370.000 Euro.
Bereits nach wenigen Minuten ohne ausreichende Sauerstoffversorgung besteht die Gefahr schwerer neurologischer Schäden. Die zentrale Herausforderung ist es daher, das kritische Zeitintervall zwischen Eintritt eines Herz-Kreislauf-Stillstands und dem Beginn lebensrettender Schritte möglichst kurz zu halten. Die Idee der App ist daher, dass durch die räumliche Nähe zum Notfallort freiwillige Ersthelfende im Idealfall bereits mehrere Minuten vor dem Rettungsdienst eintreffen und mit der Wiederbelebung beginnen können, sich die Überlebenschancen damit deutlich erhöhen.
Das System ist eine sinnvolle Ergänzung der Rettungskette, besonders in ländlichen Regionen. Ersatz für den Rettungsdienst ist es aber selbstverständlich nicht: Alarmiert werden die registrierten Ersthelfer über die Leitstelle, die parallel auch nach wie vor den Rettungsdienst auf den Weg zum Patienten schickt. Die Förderung von Hilfsbereitschaft, Zivilcourage und freiwilligem Engagement innerhalb der Bevölkerung ist ein weiteres Ziel der Ersthelfer-App.
Wie wirksam das System sein wird, hängt wesentlich von einer ausreichenden Anzahl qualifizierter und verfügbarer Ersthelfender ab. Um ein großes regionales Netzwerk zu knüpfen, arbeitet die Rettungsdienstbehörde mit örtlichen Feuerwehren und Hilfsorganisationen zusammen, bindet Kliniken und Ärztezentren ein und spricht gezielt Personen mit medizinischer Qualifikation oder Einsatzerfahrung an. Auch wird in größeren Unternehmen nach betrieblichen Ersthelfenden gesucht.
Die drei Landkreise haben der Einführung der App bereits zugestimmt. Bei den beiden Städten stehen die Beschlüsse in den kommenden Wochen an. Die Landräte und Oberbürgermeister begrüßen die interkommunale Zusammenarbeit:
„Gerade in einem Flächenlandkreis wie Bad Kreuznach zählt bei einem Notfall oft jede Minute. Ein Ersthelfer kann wertvolle Zeit überbrücken, bis professionelle Hilfe eintrifft. Deshalb freue ich mich über die einstimmige Zustimmung des Kreistags für die interkommunale Zusammenarbeit zur Implementierung einer Alarmierungs-App im Rettungsdienstbereich, über die Ersthelfer gezielt informiert werden können“, sagte Bettina Dickes, Landrätin des Kreises Bad Kreuznach.
Der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel sagte: „In Zeiten von Fachkräftemangel und knappen Kassen bei den Kommunen kommt der interkommunalen Zusammenarbeit ganz besondere Bedeutung zu. Vor allem gilt das für so sensible Bereiche wie den Rettungsdienst, wo die Versorgungsqualität nicht unter der Haushaltslage leiden darf. Wir freuen uns deshalb, dass das Land die Stärkung der IKZ durch Projektmittel fördert.“
„Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute“, sagte der Landrat von Alzey-Worms, Heiko Sippel. „Je schneller Erste Hilfe geleistet wird, desto größer sind die Überlebenschancen. Das appbasierte Ersthelfer-System ermöglicht es, geschulte Helfende in unmittelbarer Nähe frühzeitig zu alarmieren und so die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken. Die Förderung ist ein wichtiger Schritt, um die Notfallversorgung gemeinsam weiter zu stärken. Sie zeigt zugleich, wie wertvoll die interkommunale Zusammenarbeit für die Sicherheit der Menschen in unserer Region ist.“
„Die Digitalisierung unserer Stadt schreitet weiter voran – auch dort, wo es darum geht, füreinander da zu sein und Menschen in Not zu helfen. In Mainz und der Region passen die Menschen aufeinander auf, hauptamtlich und ehrenamtlich. Mit der Förderung stärken wir die digitale Zusammenarbeit mit den Städten und Landkreisen der Region. So schaffen wir bessere Voraussetzungen dafür, dass die beteiligten Akteure im Rettungsdienst Hand in Hand arbeiten können. Denn eine moderne digitale Infrastruktur und ein starkes Miteinander gehören zusammen“, sagte der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase.
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