Fenchel - von römischen Kaisern empfohlen
Tags: Fenchel, Gemüse

Der Fenchel (Foeniculum vulgare) gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Vermutlich wurde er schon am Beginn der Bronzezeit (ca. 3.000 v.Chr.) in Mesopotamien genutzt. Heute ist Fenchel, der wie seine nahen Verwandten Anis und Kümmel zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört, auf der ganzen Welt verbreitet.

Es gibt drei Varietäten des Echten Fenchel: Den Gemüse- oder Zwiebelfenchel, den Süßfenchel und den Bitterfenchel. In der Küche finden vor allem die Knollen des Süßfenchels Verwendung. Sie werden traditionsgemäß zu gedünstetem Fisch serviert. Auch in Salaten oder als Gemüsegericht lassen sich die würzigen Knollen gut verarbeiten und kombinieren.

Vielfältige medizinische Wirkung

Noch vielseitiger und vor allem medizinisch bedeutsamer sind jedoch die Fenchelfrüchte, die auch als Fenchelsamen bezeichnet werden. Fenchel wurde 2009 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt, aber die außerordentliche Wirkung seines ätherischen Öls kannte man bereits in der Antike. Der griechische Arzt Hippokrates empfahl Fenchel ebenso wie die römischen Gelehrten Columella und Plinius. Auch Dioskurides, Leibarzt der römischen Kaiser Claudius und Nero, schwor auf Fenchel. Schon er erkannte die zur Milchproduktion anregende Wirkung bei jungen Müttern. Im ganzen Mittelalter taucht die Pflanze in vielen Kräuterbüchern auf. Hildegard von Bingen kennt Fenchel als Schleimlöser.
Noch heute gehört Fencheltee, der gerne mit Kümmel und Anis kombiniert wird, neben Pfefferminz und Kamille zu den beliebtesten Kräutertees. Das liegt sicher auch an seiner spürbaren Wirkung: Er fördert die Verdauung, hilft bei Blähungen und Völlegefühl, löst Krämpfe und beruhigt auf diese Weise Magen- und Darmbeschwerden. Dafür verantwortlich sind die erheblichen Mengen ätherischen Öls, das in den Samen enthalten ist. Medizinisch ist vor allem der Bittere Fenchel zu empfehlen: Sein Öl bekämpft sehr wirksam Bakterien und Pilze. Es enthält besonders viel (12-25 Prozent) Fenchon, ein Stoff, der festsitzenden Schleim aus den Bronchien lösen kann. So können die Samen des Bitteren Fenchels Husten und Schnupfen lindern.

Würzmittel für Salami, Brot und Likör

Ein anderer wirksamer Bestandteil im Öl der Fenchelsamen ist das Anethol. Es schmeckt süßlich und kommt dementsprechend mit 80 bis 95 Prozent vor allem im Süßfenchel vor. Das Anethol regt in niedriger Konzentration die Magensaftproduktion an und beschleunigt gleichzeitig die Bewegung des Magen-Darmtraktes. Erhöht man die Dosierung, beruhigt es Magen und Darm und wirkt nachweislich krampflösend.

Natürlich sind Fenchelsamen nicht nur gesund, sie sind auch ausgesprochen lecker und vielseitig: Man verwendet sie zum Beispiel als Würzmittel in Salami, Bonbons, Brot oder Likör. Auch in kosmetischen Produkten wie Zahncreme und Seife wird Fenchel verarbeitet.

Nicht ganz unproblematisch sind die ebenfalls in den Samen enthaltenen Stoffe Estragol und Methyleugenol. In Tierversuchen zeigte sich bei beiden Stoffen ein erhöhtes Krebsrisiko. 2002 verfasste das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Empfehlung, wonach die Konzentration der Stoffe so gering wie möglich sein sollte. Allerdings liegen die durchschnittlichen Aufnahmemengen weit unter denen, die in Versuchen Krebs auslösten. Dennoch sollte Fencheltee, der bei Säuglingen oft gegen Blähungen angewendet wird, nicht dauerhaft verabreicht werden. Bei zu häufiger Einnahme geht nämlich auch die positive Wirkung verloren.

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